Grußwort zum Symposium "Würdevoll leben bis zuletzt"

Grußwort zum Symposium "Würdevoll leben bis zuletzt"

Am 11. April 2002 fand das Symposium "Würdevoll leben bis zuletzt" in Mühlacker als Veranstaltung der Enzkreis-Kliniken in Kooperation mit den Hospizvereinen des Enzkreises und der Stadt Pforzheim statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung sprach Frau Ulrike Schmid (Vorsitzende der LAG Hospiz Baden-Württemberg e.V.) das nachstehende Grußwort.


Sehr geehrter Herr Landrat,
sehr verehrte liebe Frau Thau-Hähnle,
liebe Hospizlerinnen und Hospizler,
liebe Tagungsgäste,

einige Zeit nachdem die Einladungen zum heutigen Symposium verschickt waren fragte mich die Gesamtorganisatorin der Veranstaltung: "Meinen Sie, Frau Schmid, daß jemand nach Mühlacker kommt? Wenn's hoch kommt, werden's vielleicht Hundert werden?" "Also bei dem Programm, Frau Thau," war meine Antwort, "bin ich mir sicher, daß es rappelvoll wird."

Ich freue mich, daß Ihre Veranstaltung eine so rege Resonanz bekommen hat, daß Sie heute ein Full House haben!

Ich freue mich, daß hospizbewegte Menschen eine so hohe Motivation haben, sich fortzubilden, daß hospizengagierte Menschen keine Mühe scheuen, auch von weit her anzureisen, um neue Impulse zu bekommen und zu setzen, um sich einzuklinken in die wichtige Diskussion um eine adäquate Schmerztherapie für schmerzkranke und sterbende Menschen, um Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und die sich zwingend immer wieder stellende Frage, was die Hospizbewegung denn dem Wunsch nach Sterbebhilfe entgegenzusetzen habe.

Fortbildung, z.B. in Form von Impulsen und Diskussion ist ein wichtiger Aspekt der Begleitung aller in der Hospizbewegung tätigen Menschen, unabhängig des Parts, den sie in dem komplexen Geflecht innehaben.

Fortwährende Bildung ist in meinen Augen ein Idealzustand, wohlgemerkt nicht die Bildung im Sinne von aufdrücken. Schon eher in Form von Eindrücken, die jeder Mensch mit seinen individuellen Möglichkeiten und Erfahrungswerten weiterverarbeiten kann, möglichst im Austausch mit anderen, um diese noch zu vervielfachen und ihnen fremde reibende Aspekte hinzuzufügen.

Bildung hat immer etwas mit Mündigkeit und Emanzipation zu tun, Bildung also als einen Persönlickeitszustand, der den einzelnen befähigt, sein Handeln auf Einsicht und Sachkompetenz zu gründen und es, also sein Handeln, kritisch prüfend und möglichst selbstbestimmend zu verantworten.

Fast auf den Tag genau vier Jahre sind es her, seit ich meine ersten Berührungspunkte mit den Frauen und Männern der ersten Stunde der Hospizbewegung im Westlichen Enzkreis hatte. Seither hat sich viel bewegt, eine große Anzahl von Menschen, Gemeinden, Einrichtungen sowie der Landkreis unterstützen die Hospizbewegung in der Region und helfen so, das Netzwerk Hospiz weiter zu knüpfen, möglichst viele einzubinden und so ein qualitativ hochwertiges Angebot in der Region zu machen.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz hat sich als Fachverband der Hospizbewegung Baden-Württembergs unter anderem zum Ziel gemacht, Vernetzung innerhalb der Hospizbewegung, aber auch darüber hinaus mit allen in der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen und der Palliative Care Versorgung Beteiligten zu unterstützen und zu betreiben. Nur gemeinsam, mit vereinten Kräften wird es uns gelingen, die Versorgung und Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen, auch über den Tod hinaus maßgeblich zu verbessern und zu sichern. Nur mit einem gemeinsam definierten Ziel und gemeinsam erarbeiteten Qualitätskriterien können wir den Bedürfnissen der sterbenden Menschen begegnen. Dazu brauchen wir alle Unterstützung.

Ich freue mich, daß uns die Enzkreis-Kliniken zusammen mit den Hospizvereinen und der Stadt Pforzheim mit dem Symposium Würdevoll leben ein Stück Bildung ermöglichen. Alles weitere liegt an uns: ob und in welcher Form wir das Gelernte in unsere Praxis einbringen, ob wir uns bewegen, gar bereichern lassen, ob wir unser Tun immer wieder überprüfen und auswerten um zu sehen, ob die gewünschte Veränderung auch eintraf.

Ich wünsche uns allen einen spannenden, informativen Tag und möchte jetzt schon allen an der Vorbereitung Beteiligten meinen herzlichen Dank für ein so willkommen heißendes und angenehmes Ambiente ausdrücken.

Ulrike Schmid, Vorsitzende LAG Hospiz Baden-Württemberg e.V.