Leitsätze für die Hospiz- und Palliativarbeit

Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V.

Logo des DHPV (Deutscher Hospiz- und Palliativverband e.V.)Folgende Leitsätze wurden in der Mitgliederversammlung des DHPV (Deutschen Hospiz- und Palliativ Verband) am 5.10.2007 beschlossen:

  1. Im Mittelpunkt der Hospiz-und Palliativarbeit stehen der schwerstkranke und sterbende Mensch jeden Alters und die ihm Nahestehenden. Sie benötigen gleichermaßen Aufmerksamkeit, Fürsorge und Wahrhaftigkeit. Die Hospiz- und Palliativarbeit richtet sich nach den Bedürfnissen und Rechten der schwerstkranken und sterbenden Menschen, ihrer Angehörigen und Freunde. Einbezogen sind insbesondere auch die Belange der Kinder.
  2. Die Hospizbewegung betrachtet das menschliche Leben von seinem Beginn bis zu seinem Tode als ein Ganzes. Sterben ist Leben – Leben vor dem Tod. Im Zentrum stehen die Würde des Menschen am Lebensende und der Erhalt größtmöglicher Autonomie. Voraussetzung hierfür sind die weitgehende Linderung von Schmerzen und Symptomen schwerster lebensbeendender Erkrankungen durch palliativärztliche und palliativpflegerische Versorgung sowie eine psychosoziale und spirituelle Begleitung der Betroffenen und Angehörigen. Diese lebensbejahende Grundidee schließt Tötung auf Verlangen und Beihilfe zur Selbsttötung aus.
  3. Sterben zu Hause oder in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen, ist die vorrangige Zielperspektive der Hospiz- und Palliativarbeit. Der Ausbau ambulanter Strukturen, die Knüpfung regionaler Netzwerke und eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen und Ehrenamtlicher sind hierfür Voraussetzung. Wenn eine palliative Versorgung zu Hause nicht oder nur begrenzt möglich ist, stehen voll- und teilstationäre Einrichtungen in Form von Hospizen und Palliativstationen – ggf. auch im Wechsel mit ambulanter Versorgung – zur Verfügung.
  4. Die Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung in ihren vielfältigen Gestaltungsformen sind damit wesentliche Bausteine im bestehenden Gesundheits- und Sozialsystem, die in enger Kooperation mit den anderen Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialsystems eine kontinuierliche Versorgung sterbender Menschen gewährleisten. Sie bedürfen insoweit der entsprechenden Absicherung im sozialen Leistungsrecht.
  5. Zur Hospiz- und Palliativarbeit gehört als ein Kernelement der Dienst Ehrenamtlicher. Sie sollen gut vorbereitet, befähigt und in regelmäßigen Treffen begleitet werden. Durch ihr Engagement leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Teilnahme der Betroffenen und der ihnen Nahestehenden am Leben des Gemeinwesens und tragen dazu bei, die Hospizidee in der Gesellschaft weiter zu verankern.
  6. Schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen, die der Versorgung und Begleitung bedürfen, brauchen professionelle Unterstützung durch ein multidisziplinäres Team, dem Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorgerinne und Seelsorger, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Ehrenamtlich u.a. angehören sollten. Für diese Tätigkeit benötigen sie spezielle Kenntnisse und Erfahrungen in der medizinischen, pflegerischen, sozialen und spirituellen Begleitung und Versorgung. Dies setzt eine sorgfältige Aus-, Fort- und Weiterbildung entsprechend den jeweiligen Qualifizierungsstandards, fortgesetzte Supervision und Freiräume für eine persönliche Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer voraus.
  7. Zur Sterbebegleitung gehört im notwendigen Umfang auch die Trauerbegleitung.

Das Selbstverständnis des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands

Logo des DHPVDer DHPV (Deutsche Hospiz- und Palliativ Verband) ist die Dachorganisation seiner Mitgliedseinrichtungen und -dienste der Hospizarbeit und Palliativversorgung und repräsentiert die Bürgerbewegung Hospiz in Deutschland.

Der DHPV

  1. setzt sich für schwerstkranke, sterbende Menschen und deren Zugehörige sowie trauernde Menschen jeden Alters ein.
  2. tritt ein für die Wahrung von Würde und Selbstbestimmung und lehnt die Tötung auf Verlangen, die geschäftsmäßige Förderung der Beihilfe zum Suizid sowie auch die nicht gewünschte Verlängerung des Lebens ab.
  3. betrachtet Sterben, Tod und Trauer als Teil des Lebens und engagiert sich für einen vorbehaltlosen Umgang in der Gesellschaft.
  4. setzt sich für eine erfahrbare Hospizkultur und Letztverlässlichkeit in der Gesellschaft ein.
  5. fördert qualifiziertes Ehrenamt als zentrale Säule der Hospizbewegung und ermutigt dadurch jede*n Einzelne*n zu einer vorurteilsfreien Zuwendung zu sterbenden und trauernden Menschen.
  6. fordert eine qualifizierte Hospizarbeit und Palliativversorgung an jedem Ort für jeden Menschen, der sie unter Beachtung der physischen, seelischen, sozialen und spirituellen Dimensionen wünscht und benötigt.
  7. sieht Hospiz- und Palliativarbeit in Vernetzung mit allen an der Versorgung und Begleitung der Betroffenen beteiligten Diensten und Einrichtungen in einem multiprofessionellen Team, in dem das Ehrenamt integraler Bestandteil ist.
  8. reflektiert das bisher Erreichte, entwickelt es zukunftsorientiert weiter und trägt u.a. durch Forschung, Lehre, Aus- und Weiterbildung zu einer qualitativ hochwertigen und zukunftsfähigen Hospizarbeit und Palliativversorgung in Deutschland bei.
  9. initiiert als Träger der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen Veränderungsprozesse in Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft.
  10. vertritt die Interessen seiner Mitgliedsorganisationen mit ihren Diensten und Einrichtungen gegenüber Politik, Verbänden und Kostenträgern in Deutschland und international.

Mitgliederversammlung – 22.11.2018

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